Jugendclub in der Krise

Aufschrei im „Rainbow“

FDP/Rettet die Altstadt-Fraktion zum Krisengespräch im Jugendclub

Von Olaf Koch, Volksstimme, 20.08. 2015

Wenn nicht noch ein Wunder passiert, dann muss der Jugendclub „Rainbow“ in den nächsten Tagen schließen. Der Grund: Der Landkreis hat über den Jugendhilfeausschuss nur ein Bruchteil des benötigten Geldes bereitgestellt.

Schönebeck • Es ist ein leiser Tod. An einer Außenwand der Einrichtung hängt ein von den Kindern und Jugendlichen selbstgestaltetes Plakat: „Wir sagen Nein zur Club-Schließung“. Seitdem die Geschäftsführerin des Awo-Kreisverbandes Salzland, Sybille Barby, und ihre Mitarbeiter von der Entscheidung des Jugendhilfeausschusses und damit des Landkreises erfahren haben, steigt bildlich gesehen das Wasser Tag für Tag. Jetzt steht es der Einrichtung bis zum Hals. Kommt keine Hilfe, wird der Jugendclub „Rainbow“ diese politische Entscheidung und das Gerangel um Geld nicht überleben.

Ein leiser Tod ist es deshalb, weil die Hilferufe des Clubs fast ungehört verhallen. Briefe an die Stadtverwaltung und den städtische Sozialausschuss münden in einem Vertröstungs-Telefonat. Schreiben an alle Fraktionen des Stadtrates mit der Bitte um Unterstützung gehen ebenfalls still unter. Lediglich die Fraktion FDP/Rettet die Altstadt sowie der Grüne Thoralf Winkler statten dem Jugendclub einen Besuch ab. Ausgerechnet die FDP, die nach der Bundestagswahl ins Ergebnis-Nirwana verschwindet und nicht gerade lebendige Sprünge macht – Existenzsorgen scheinen eben zu einen.

 

Aufmerksame Zuhörer

 

Aufmerksam zumindest hören sich Reinhard Banse, Holger Goldschmidt und Thoralf Winkler die Sorgen von Sybille Barby und Janet DePooter, Leiterin des „Rainbow“ an. 30 bis 40 Kinder und Jugendliche besuchen die Einrichtung täglich, die damit ein fester Anlaufpunkt für den Nachwuchs in der Stadt ist. Rund 33.000 Euro benötigt die Awo jährlich für alle Aufwendungen, um den Jugendclub am Laufen zu halten. Für lediglich die Hälfte hat der Landkreis aber grünes Licht gegeben. Seit Mitte des Jahres finanziert sich das Kinder- und Jugendfreizeitzentrum aus eigenen Mitteln, die nun aufgebraucht sind. Für die nächsten Tage oder Wochen, je nachdem wie die letzten Eigenmittel noch reichen, ist die Schließung des Hauses wohl unausweichlich.

So macht sich Ernüchterung breit. Erörtert werden in den Krisensitzung am Dienstagabend die Fragen, wie es soweit kommen konnte, warum andere Träger mit ganz anderen Summen ausgestattet sind und warum Jugendarbeit immer noch eine „freiwillige Leistung“ ist? Die Geschäftsführerin spricht wiederholt von „ungerechter Geldverteilung“, will aber dennoch keine Neid-Diskussion aufmachen.

 

12.000 Euro bis Jahresende

 

Knapp 3000 Euro benötigt der Jugendclub monatlich, das sind 12 .000 Euro bis zum Ende des Jahres, bis die Diskussion um das Geld für die Jugendsozialarbeit von vorn beginnt. „Ich verspreche Ihnen, dass wir einige Gespräche führen werden“, erklärt Fraktionsvorsitzender Reinhard Banse. Neben Firmen soll auch die Partnerstadt Garbsen befragt werden. Eine Delegation kommt dieses Wochenende für die Feierlichkeiten der 25-jährigen Partnerschaft an die Elbe.

 

Und noch eine andere Idee gibt es: Crowdfunding (Englisch crowd für „Menschenmenge“ und funding für „Finanzierung“), eine Methode der Geldbeschaffung – ein letzter Strohhalm. Es soll eben kein leiser Tod werden.